IK1 – Touristen in Gefahr – Kurz Kritik
Gepostet von Seba Canel am 02.09.2011
Kurzinhalt: Wenn der Traumurlaub zum Alptraum wird und deutsche Touristen in Gefahr geraten, kommen der draufgängerische Florian Blessing und Nadja Hansen, Spezialistin in operativer Fallanalyse, zum Einsatz. Dabei arbeiten sie eng mit den einheimischen Strafverfolgungsbehörden zusammen. Ihre erste Zusammenarbeit führt das ungleiche Duo nach Thailand, wo Felix, ein deutscher Rucksacktourist, wegen Mordverdachts im Gefängnis sitzt. Zunächst sieht alles nach einer einfachen Lösung aus, doch schon bald stoßen die beiden BKA-Beamten auf eine Spur, die sie selbst in Lebensgefahr bringt.
“Die sehen doch alle gleich aus.” “Du hast recht. Wie die Eier. Alle gleich.”
Originaltitel: IK1 – Touristen in Gefahr
Genre: Drama, Action, Krimi, Komödie
Season: Pilotfilm
Regie: Jan-Martin Scharf
Drehbuch: Arne Nolting, Peter Reichard, Stephan Bechtle
Darsteller: Tobias Oertel, Eva-Maria Grein von Friedl, Uwe Bohm, Max Kidd, Jana Pallaske, Katharina Abt, Peter Davor, Michaela Rosen, Maverick Quek
Deutschland TV-Premiere: 01. September 2011, RTL
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(Seba neutral)
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(Seba’ Persönlich)
So. Ich hab gerade eben meine Online Bewerbung abgeschickt. Sollte Sie vom BKA angenommen werden, dann lest Ihr mich hier nie wieder auf Serien-Load. Dann werd ich nämlich auf Wilder Safari in Namibia sein, irgendwelche Landsleute aus der Patsche ziehen und mich gemeinsam mit Florian Blessing und Nadja Hansen von der IK1 (die Abteilung (oder so eine in der Art), die gibt’s ja wirklich). Jetzt allerdings erstmal, ans eingemachte:
IK1 hat mich auf Anhieb an das A-Team erinnert, meine allererste große Fernsehliebe. Da wurden Holzkisten gecrashed, deren Inhalt – frisches Thai-Gemüse – daraufhin wie Karnevals-Popcorn durch die Lüfte peitschte. Da wurden Salven aus einem MG abgefeuert und in den Sandboden eines idyllisch anmutenden Palmenwaldes gepflanzt. Manchmal flogen Fische, ein anderes Mal wurde ein Suppe als moderne Foltermethode genutzt, wie CIA-Agenten nicht besser hätten Waterboarden können. Hach. Auf den ersten Blick habe ich mich doch glatt daran erinnert, wie meine liebste vierköpfige Crew den Bösewichten dieser Erde den Hintern aufgerissen hat und einer anschließend seine Zigarre angezündet hat, und mit breitem Grinsen im Gesicht sagte: “Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert”.
Wo wir beim eigentlichen Thema wären. Dem Team der IK1, einer Spezialeinheit des BKA, die deutschen Touristen in Not, den Hintern rettet.
Hier sind es allerdings nicht vier Weltenbummler, wie beim A-Team, sondern nur zwei: In der Serie heißen Sie Florian Blessing und Nadja Hansen. Im wahren Schauspielerleben Tobias Oertel und Eva-Maria Grein von Friedl. Beides tolle Schauspieler, die gut in das klassische Charakter-Raster von IK1 passen. Der eine, ein taffer Typ. Einer Alter Haudegen im Geschäft der “Touristen-Befreiung/Rettung”. Einer der weiß wie der Hase in den jeweiligen Kulturen und bei den hiesigen Behörden läuft. Rational denkend. Mutig. Ein Sunnyboy, der sich biegt, aber nie selber bricht, um letzten Endes sein Ziel zu erreichen: Seine Mission erfolgreich zu beenden. Seine bessere Hälfte, die emotionale. Nadja. Immer mit dem Herz denkend. Eine Frau, ohne Schuhtick, die sich aufreizend zu kleiden und eine weibliche Sprache zu zeigen weiß. Treu. Eigentlich ehrlich, solange es Ihr in den Kram passt und einfach eine nette. Eine ganz nette. Mit Leib, Herz, Seele und eigenem Stolz.
Ich möchte an dieser Stelle gar nicht näher auf die beiden Hauptfiguren eingehen. Ich find, Sie beide haben Ihre Sache gut gemacht. Sie haben sich Mühe gegeben, und das hat man gesehen. Ein paar Kleinigkeiten die es zu kritisieren gäbe, gibt es auch, aber die sind nicht auf die beiden Schauspieler zu fixieren, sondern eher auf Drehbuch oder Schnitt abzuwälzen.
Was mich gestört hat – und das stört mich eigentlich bei jeder Serie, die das so macht – ist dieses klassiche Klischee-Gehabe und Hervorheben von Situationen, die man auch sich gut und gerne sonst wohin stecken könnte, nur nicht in einen Pilotfilm! Ein Beispiel: Unsere herzallerliebste Psychologin Najda betritt eine Flugzeug, wo Sie das erste Mal auf Ihren neuen Partner, Sunnyboy Florian trifft. Und was machen die Drehbuchautoren? Genau? Sie lassen Nadja als Tollpatsch reinspazieren und erstmal umhertollen. Und nein! Ihr widerfährt binnen einer Sekunde nicht nur ein Unglück, sondern sofort auch ein zweites! Ich mein, bitte, liebe Drehbuchautoren. Sowas war in den 80er Jahren cool. In den 90er Jahren noch erträglich. Aber wir sind mittlerweile in den 2000ern. Und da haben wir so etwas schon xxxx-hundertfach gesehen! Einfach nur: Autsch!
Klar. Irgendwo verstehe ich es auch. Es sollte schon direkt zu Anfang die Marschrichtung für die kommenden 90 Minuten vorgegeben werden: Leichte, unterhaltsame Action-Krimi-(?)-Kost, mit sympathischen Charakteren, die jeder gerne in seinem Freundeskreis haben würde. Aber ich weiß nicht: Entweder liegt’s an mir, weil ich nicht unbedingt die Zielgruppe bin, oder es nervt einfach nur noch. Vielleicht liegt’s wirklich an mir. Vielleicht. Wahrscheinlich.
Es soll wohl schlicht und einfach der Charme des Pilotfilms und der potentiell folgenden Serie sein, was zweifelsohne nicht schlimm ist. Doch bitte, liebe Drehbuchautoren. Bitte. Übertreibt es nicht immer so. Es geht auch anders! Und das wisst Ihr!
Noch ein paar andere Worte, ein paar Warme: Die Kulisse, auch wenn ich nicht immer drauf geachtet habe, die finde ich toll. Ich sehen gerne andere Länder, Kulturen, traumhafte Strände, Palmen. Hach. Das ist einfach nur herrlich. Schön gewählt!
Die Story ist verstrickt, verzwickt, und erst am Ende alles erklärend. Gute entpuppen sich als Böse. Böse Gangsterbosse zeigen manchmal ein gutes Herz und Hilfsbereitschaft, auch wenn sie sich dafür in den siebten Himmel blasen lassen. Alles klassisch, und leider schon (sehr oft) gesehen.
Manchmal lacht man, manchmal fragt man sich WTF?, und manchmal habe ich mich selber dabei ertappt, mich innerlich zu fragen, ob ich Thailand wirklich unbedingt erlebt haben muss. Ich mein. Hey. Den Joint (den Florian da verputzte) den hätte ich auch mitgeraucht. Jedoch. Wenn’s richtig blöd läuft, steht ein eifriger dGesetzehüter direkt neben Dir, inhaliert die dicht-weisse Rauchwolke. Und Schwuppsdiwupps, wenn er nicht gleich stoned umfällt, dann braucht man selber die Dienste des IK1. Ob ich Thailand jemals bereisen werde …
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich geb der IK1 insgesamt sechs Sterne. Einen bekommt Eva-Maria Grein von Friedl. Einen Tobias Oertel. Zwei für die tolle Landschaft. Und die anderen beiden Sternchen gibt’s, weil das Genre getroffen wurde. Mein Geschmack ist es trotzdem nicht. Obgleich des trans-indischen Marken und Pistolen Gewedels, fehlt mir das Originelle. Das ist, um fair zu bleiben, allerdings nicht mehr leicht zu finden und zu realisieren, da beinahe alles schon, dank unserer vielfältigen TV-Kultur, dagewesen war.
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Tags: Action, Comedy, Editor Picks, Krimi, Meinungen, IK1 - Touristen in Gefahr, Kritik
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