Kurzkritiken: ‘Modern Family’, ‘Nurse Jackie’ und ‘Chase’

Gepostet von am 18.04.2012

Für gewöhnlich sagt man ja, eine Serie bräuchte mindestens drei, vier Episoden bis sich der Charme einigermassen entfaltet und man als Zuschauer weiß, wen man da vor sich hat und auf was man sich in der nächsten Episoden freuen kann. Aber ganz ehrlich. Modern Family hat mich schon mit der ersten Episode gehabt. Und ich glaube nicht, daß das ausschließlich an Ed O’Neill liegt, der schon per Eine schrecklich nette Familie unendlich viele Lachtränen aus meinen Äuglein hat pullern lassen. Die Show hat soviel mehr Schauspieler, Figuren und Witz.

Modern Family ist lustig. Nie blöd. Die Charaktere so kunterbunt wie das Leben an sich. Zynisch. Sarkastisch. Charmant. Arrogant. Lustig. Mit all Ihren Ecken und Kanten. Der eine Frech. Der andere nicht so. Wieder andere aufgeschlossen. Hipp. Weniger Hipp. Trendy. Verschlafen. Hellwach. Trübsalig. Ach, verflixt. In dieser modernen Familie gibt es so viele Figuren, da ist alles dabei, weswegen die Show eigentlich den Nerv eines jeden Zuschauers treffen muss.

Wir haben Ed als Familienoberhaupt. Macher. Macker. Macho. Mit Cash in der Tash, einer rassigen Schönheit an seiner Bettkante, die seine Tochter sein könnte. Und nervtötendem Stiefsohn. Plus, ein fast hierarchisches Geflecht aus reichlich liebenswerten anderen Familienmitgliedern. Töchtern, wie Schwiegersöhnen. Enkeln. Neffen. Schwestern und Brüdern. Jeder für sich nur ein Witz, aber alle zusammen unschlagbar genial. Hört sich (hoffentlich) wie eine Lobeshymne auf die Show an, und nichts anderes soll es auch sein. Modern Family ist tolle Comedy im Mockumentary-Style, insofern man den spritzigen, aus dem Leben gegriffenen Humor mag. Nie abgedroschen und verwickst. Sondern schnörkellos aus dem wahren Leben. Einfach ehrlich. Manchmal schonungslos. Spitze.

Mein Rating: 8,50 von 10. (nach den ersten 6 Episoden)

Hier sind Prämisse und Trailer:

Im Mittelpunkt der mehrfach ausgezeichneten Comedy stehen die Familien von Jay Pritchett (Ed O’Neill), seiner Tochter Claire Dunphy (Julie Bowen) und seines Sohns Mitchell Pritchett (Jesse Tyler Ferguson). Während Claire die Rolle der Hausfrau in einer klassischen Familie innehat und Mitchell und sein langjähriger Lebenspartner Cameron sich entschlossen haben, ein asiatisches Baby zu adoptieren, ist Jay selbst mit einer sehr viel jüngeren und temperamentvollen Frau verheiratet, mit der er versucht, seinen Stiefsohn zu erziehen.

Ein Interview mit Ed O’Neill hatten wir schon an anderer Stelle und mehr Details zur Serie, die montags ab 20.15 Uhr auf RTL Nitro läuft, hier.

Nurse Jackie

“Every day is a high wire act of juggling patients, doctors, fellow nurses and her own indiscretions.” Showtime says the half-hour series “is at turns wicked, heartbreaking and funny.”

Nurse Jackie erzählt die Geschichte von Jackie, gespielt von Edie Falco, die ein recht, naja, wie sagt man, ambitioniertes Leben mit regem Verkehr führt. Ein Steckbrief Ihrer Person würde sich in etwa so lesen: Das Brot auf den Tisch verdient sie sich als Krankenschwester, die gerne Doppelschichten schiebt und weiß wie Sie Ärzte und Patienten nach Ihrer Pfeife tanzen lassen kann. In Ihrer Freizeit kümmert Sie sich liebevoll um Ihre beiden kleinen Töchter und Ihren Ehemann, wenn Sie nicht gerade mit Ihrer Ärzte-Freundin in chiquen Restaurants teuer essen geht, oder sich von einem Ärzte-Kollegen duchvögeln lässt, um an die nächste kostenlose Dosis Vicodin zu kommen. Ihr müsst wissen: Jackie ist Pillensüchtig, und ob das gut so ist, sei mal dahingestellt. Jedenfalls hat die taffe Frau alles im Griff. Scheint so.

Hier der Trailer:

Ganz ehrlich? Ich hab ein Faible für SHOWTIME Serien, mal abgesehen von Die Borgias, das ich zu “Hollywood”-mässig fand. Dexter ist einsame spitze. Ich bin süchtig nach dem Schlitzer. Tara und Ihre Welten (United States of Tara) machen mich wuschig. Und das neue Agenten Drama Homeland hatte mich auch schon nach den ersten zwei Folgen in der Tasche gehabt. Kurzum: ich bin ein Opfer von SHOWTIME Serien. Und möglicherweise bald auch eines von Nurse Jackie.

Die Frau find ich klasse. Taff. Stark. Cool. lässig. Hart aber Herzlich. Die anderen Charakter – die Sidekicks – sind sehenswert. Die Schauspieler auch. Der sterile Krankenhaus Charme, der keiner ist, wird durch die bunte Belegschaft richtig bunt. Durch witzige Dialoge. Charakter-starke (und schwache) Figuren. Und wirkt überhaupt nicht unterkühlt. Ganz im Gegenteil. Und so ein Romantic-Krankenhaus Spaß ist das ganze auch nicht. Und außerdem: bei Nurse Jackie muss man keine Pillen vorher schlucken, oder Pilze fressen, um mit Edie Falco im selben Film zu sitzen und auf einer Wellenlänge zu surfen.. Geht auch ohne. Obwohl, “ohne” habe ich noch gar nicht ausprobiert (joking!).

Ehrlich gesagt bin ich mir noch unschlüssig, was der Reiz an der Show ist. Aber irgendeinen gibts. Sei es die freizügige und ehrliche Art von Jackie alles zu kriegen, was Sie will. Das Chaos. Das Himmelhochjauchzen und der halluzinogen-freie Fall nach unten. Ach. Ich hab echt keinen blassen Schimmer. Und das stört mich auch nicht. Ich bin ein Opfer. Von SHOWTIME-Serien. Und jetzt auch vom Nurse Jackie (obwohl, warten wir erstmal ab, wie sich Staffel 1 weiterentwickeln wird).

Mein Rating: 7,5 von 10 (nach den ersten 4 Episoden)

Nurse Jackie, läuft immer montags, im Anschluß an Modern Family, gegen 21.00 Uhr, bei RTLNITRO.

Chase

Wenn show producer Jerry Bruckheimer (CSI, Without a Trace, Miami Medical, etc.) sagt, sein neuestes/letztes Baby – also Chase – sei ein Mix aus “rasanter Action, Polizei-Arbeit mit reichlich derben Machogehabe und Sprüchen in der Art”, dann hat er da ganz bestimmt recht. Aber mal sowas von.

Pulsschlag hoch. Die Show beginnt gleich in der ersten Sekunde mit einer Verfolgungsjagd, und endet auch mit einer. Die Cops, aka Federal Marshall’s, wedeln frei und ausgiebig mal hier und mal da Ihre Dienstmarke und Knarre. Toben sich in den Städten und Strassenschluchten aus. Spielen Cowboy, und die Bösen sind die Indianer, deren Skalp Sie wahrscheinlich hinter verschlossenen Türen zum Nachtisch futtern. Und das ist die Serie eigentlich auch schon. Inhaltlich.

Chase erinnert mich irgendwie an Alarm für Cobra 11. Boom. Peng. Viel Action und Explosionen. Und geklopfte Sprüche fehlen natürlich auch an keiner Stelle. Auf gar keinen Fall. Im Gegenteil. Die gibt’s frei-Haus und gerne auch im Überfluß.

Das ganze soll nicht böse gemeint sein – die show ist nur eben Geschmackssache. Meinen Nerv hat’s nicht unbedingt getroffen, aber ich zähle mich auch in erster Linie nicht zur potentiellen Zielgruppe von Krimiserien-Fans. Von einigen, ganz wenigen Ausnahmen mal abgesehen. Chase ist unterhaltsam. Aber sehr dick aufgetragen, und im Fokus stehen einfach nur die unsagbar coolen Gesetzteshüter der amerikanischen Behörde(n).

Chase ist in meinen Augen eine “Ode” auf diese Super-Coolies und ein krasses Pendant zu Shows wie NCIS, Criminal Minds oder dem CSI: Las Vegas. Dafür allerdings mit Jesse Metcalfe (Desperate Housewives, Dallas) und Amaury Nolasco (Prison Break, Work It) ganz nett besetzt.

Mein Rating: 3.50 von 10 (nur Pilot Folge gesehen).

Prämisse und Trailer:

Den Kopf der Spezialtruppe mit Sitz in Houston, Texas – und zugleich weiblichen Lead der Serie – bildet Powerfrau Annie Frost (Kelli Giddish). Ihr Scharfsinn und die texanischen Wurzeln sind der Frau, die in einem noch immer deutlich von ihren männlichen Kollegen dominierten Beruf arbeitet, im harten Polizeialltag stets eine große Hilfe. So ist es für sie auch eine Selbstverständlichkeit, den Dienst meist in Cowboystiefeln anzutreten. Den Respekt ihrer Kollegen muss sie sich dabei aber kaum noch verdienen, sondern kann voll und ganz auf ihr Team zählen. Hierzu gehört der im Süden von Texas aufgewachsene Jimmy Godfrey (Cole Hauser), seines Zeichens ein waschechter Cowboy – der bis heute allerdings nie wirklich erwachsen geworden zu sein scheint. Außerdem mit von der Partie: Marco Martinez (Amaury Nolasco, u.a. besonders bekannt aus der RTL-Serie ‘Prison Break’), ein überaus intelligenter Cop-Veteran, der sich jedoch sehr gerne selbst reden hört, und sein Gegenstück, Daisy Ogbaa (Rose Rollins), Waffen- und Taktikspezialistin und ihrerseits eine Frau weniger Worte. Komplettiert wird die Einheit zum Auftakt der Serie vom jungen und unerfahrenen Newcomer Luke Watson (gespielt von Jesse Metcalfe, bekannt aus ‘Desperate Housewives’). Der junge Luke ist glücklich und stolz, zu den angesehenen Spezialisten in Texas stoßen zu dürfen – muss jedoch bald feststellen, dass sein bisheriges Leben in Washington, D.C. ihn alles andere als ausreichend auf die schonungslose Realität im mittleren Süden der Vereinigten Staaten vorbereitet hat.

Chase läuft immer mittwochs, 20.15 Uhr auf RTLNitro.


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