Taras Welten – 1. Staffel – Kritik

Gepostet von am 11.03.2011

“Taras Welten ist keine Blödel-Serie!”

Originaltitel: United States of Tara
Genre: Drama, Comedy
Season: Staffel 1
Schöpfer: Diablo Cody
Darsteller: Toni Collette, Rosemarie DeWitt, John Corbett, Brie Larson, Keir Gilchrist
TV Premiere: 18. Januar 2009 auf Showtime

(IMDb User Rating)
(Seba)

Kritik:

Taras Welten erzählt das alltägliche Leben von Tara Gregson (die im übrigen toll von Toni Collette geschauspielert wird; dafür gab´s auch schon den Golden Globe und Emmy), die unter einer Dissoziativen Identitätsstörung leidet und Ihrer Familie.

Und wer denkt, “och .. wieder so ein irgendein ödes, schnödes 0815-Familienleben”, bei dem man schon den Eimer zum Würgen rausholen möchte, der wird bei “United States of Tara” bitterböse enttäuscht werden. Denn die Gregson´s sind keine gewöhnliche amerikanische Familie, keine dieser Bilderbuch Quartette wie man sie aus irgendwelchen Hochglanzmagazinen oder der Idylle einer Vorstadt kennt.

Nein, bei den Gregson´s ist jeder Tag ein Abenteuer. Manchmal ein Höllentrip und manchmal Spass am laufenden Bande, was mitunter auch an der spannenden Kollektion und Konstellation an Charakteren liegt.

Max Gregson, ist der Mann im Hause, wenn man das so sagen kann. Er hat volles Verständnis für seine Frau, steht seinen beiden Kindern Kate und Marshall nahe, arbeitet als Gärtner und ist im grunde so die Sorte feiner Kerl und cooler Dady.

Kate Gregson ist die Tochter der Familie, die aufgrund Ihrer extrovertierten, manchmal egozentrischen Art bei Ihren Mitschülern aneckt. Was aber auch bei pubertierenden Teenagern nicht gerade ungewöhnlich ist. Allerdings ist Kate, was “Mommys” Problem angeht, nicht gerade so verständnisvoll wie Familienvater Max. Am liebsten würde Sie dem ganzen Scheiss entrinnen, wenn Sie könnte.

Marshall Gregson ist der Sohn von Tara und Max, das jüngste Mitglied der Familie und ein Stocksteifer Streber, wie man Ihn aus dem Bilderbuch kennt, woraus sich widerum so einige Probleme ergeben. Er ist eher der ruhige Typ, als der typsiche Draufgänger über den wir ganz zu Anfang der Serie mehr erfahren. Wobei das mehr erfahren sich eher auf eher irgendwelche homosexuelle Spekulationen bezieht.

Und nun zu Tara, eben jene Figur, die den ganzen Laden am laufen hält und immer für ordentlich Stimmung in der Bude sorgt: Tara leidet an einer Dissoziativen Identitätsstörung (bei Wiki gibt´s ein paar interessante Informationen zu dem Thema), was heisst, dass wann immer Sie sich dem Stress ausgesetzt fühlt und droht die Kontrolle zu verlieren, übernimmt eines Ihrer Alter Ego die Kontrolle über Tara´s Körper und Handeln. Und da Tara aufgehört hat, diese Krankheit mit Medikamenten zu behandeln, kommt es immer häufiger zu Identitätsquantensprüngen.


(Von Links nach rechts: Tara, T, Buck und Alice)

Tara´s alter Ego´s

1.) T ist eines von alter Tara´s alter Ego, und die erste alternative Persönlichkeit, die und Zuschauern näher gebracht wird. “T” ist ein Teenager, so alt wie Taras Tochter Kate, und im Grunde genommen das genaue Gegenteil von Tara. Sie verhält sich aufreizend, zieht sich dementsprechend an und ist für jeden Schuddelmuddel zu haben. Sie ist heiter, fröhlich und liebt das Leben, weswegen das alter Ego “T”, der ganzen Familie eigentlich das liebste ist.

2.) Alice ist die perfekte amerikanische Hausfrau aus den 50er Jahren. Erzkonservativ, penibel und stets bedacht auf Höflichkeitsfloskeln und bei jedermann einen Stock im Arsch. Steif, langweilig, dominant, unmenschlich und streng sind so einige der Facetten, welche niemand in der Familie an Alice zu schätzen mag. Nur eines kann Sie: Backen und Kochen!

Alice hält sich für die wahre Persönlichkeit von Tara und würde am liebsten rund um die Uhr die Kontrolle über den Körper besitzen. Alice ist als einzige in der Lage, mit allen Persönlichkeiten zu kommunizieren und bezeichnet sich selbst als die „Hüterin“ über die anderen Persönlichkeiten.

3.) Buck ist ein lauter, rüpelhafter, trinkender und rauchender Mann. Er trägt dicke Brillengläser und einen Truckerhut. Buck hat eine Waffe mit dem Namen Persephone und geht des öfteren mit Max und Marshall auf den Schießstand. Auf den ersten Blick ist der größte Unterschied zu den anderen Alter-Egos, der, dass Buck Linkshänder ist. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn Buck hält sich eigentlich für ein Mann, gafft und grabscht gerne den Frauen hinterher und erklärt die “Abwesenheit” seines Penis dadurch, das ihm dieser im Vietnamkrieg abgeschossen wurde.

Buck ist kurz gesagt, der klassische Typ eines Trunkenbold und Rüpel´s, der auch gerne mal handgreiflich wird, wenn er es für “angemessen” hält.

Im weiteren Verlauf der ersten Staffel kommt noch ein weiteres alter Ego hinzu: “Gimme”, die für das unbewusste und triebhafte steht.

Zu guter letzt wäre da noch Tara selbst: Eine fürsorgliche und liebende Mutter, die versucht den Draht zu Ihren Kids, insbesondere Ihrer pubertierenden Tochter Kate, nicht zu verlieren. Eine warmherzige Ehefrau, die Ihren verständnisvollen Ehemann Max über alles in der Welt liebt und eine Frau, die eben mit Ihren alternativen Egos um die Herrschaft Ihres Körpers und letzten Endes auch um Ihre Familie kämpft.

United States of Tara – (Taras Welten) – Trailer

(Youtubelink)

Taras Welten
Was beim ersten Lesen generell vielleicht missverstanden wird ist, dass sich die Showtime-Serie von Produzent Steven Spielberg keinesfalls auf Kosten dieser wirklich schrecklichen Krankheit bedient und darüber Witze macht. Die Schmunzler rühmen eher anderer Natur. Sie werden durch das normale miteinander der bunt zusammengewürfelten Charaktere konzipiert, die zusammen genommen eine große und lebensfrohe Familie bilden und ähneln keinesfalls dem Gepossen-Reisse einer Sitcom oder Comedy-Serie. Taras Welten ist keine Blödel-Serie!

Es sind vielmehr die kleinen “Dinge” des vielleicht ganz gewöhnlichen Lebens, die dann und wann zum grinsen oder schmunzeln anregen. Als Zuschauer lacht man nicht über Tara, oder Ihrer alter Egos – sondern macht eher mit Ihnen (auch wenn das Thema “Dissoziativen Identitätsstörung” weiter im Hinterkopf manifestiert ist), oder über die “Aktionen”, welche Alice, T und Buck im ganz normalen Durcheinander des Familien Leben reissen. Über die Sprüche, die Sie drücken, über die Hiebe, die Sie austeilen, oder die Tiefschläge, die Sie aus einer Schlacht von dannen tragen.

Taras Welten ist für mich eine dieser Serien, die zum nachdenken anregen. Die einem auch hin und wieder in manchen Momenten die Augen öffnet, den Horizont erweitert und Spass macht anzuschauen und erneut einzuschalten, weil man nie so genau weiss, was einen bei der nächsten Episode erwarten wird.

Und ehrlich, als ich das erste Mal mir eine Episode Taras Welten zwischen die Augen gepfiffen hatte, verbrachte ich die zwei Stunden danach auf Wikipedia, Youtube und anderen grossen Informations Plattformen im Web, auf der Suche nach Informationen, Fakten und Studienergebnissen zu “Dissoziativen Identitätsstörung”. Wieder was gelernt!

P.S. Leider hab ich nicht soviel Material gefunden. Der Wikipedia Artikel gehört da meines Erachtens noch zu den aufschlussreichsten Dingen zum Thema multiple Persönlichkeiten. Also, wer mehr Infos, Interessantes hat oder weiss, bitte ab damit in die Comments! Dafür sind Sie ja schliesslich da.

DVD

Die erste Staffel Taras Welten (United States of Tara) startet am 6. Oktober 2011 auf DVD. (AMAZONLINK)

Extras:
- Audiokommentar mit Diablo Cody und Jill Soloway
- Im Gespräch mit Diablo Cody
- Taras Alter-Egos
- Biografien
- Fotogalerie


Tags: Meinungen, , ,


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  • CUnger

    Hallo, zum Thema DIS hier zwei Buchempfehlungen, die das Thema DIS gut erklären und auch von absoluten Kennern (Fachleuten ) geschrieben wurden.
    1.Michaela Huber: Multiple Persönlichkeiten
    2.Frank W. Putnam Dissoziative Identitätsstörung
    Ich habe mir bis jetzt nur die Trailer angeguckt und da ich einige Menschen mit DIS persönlich kenne, kann ich nur sagen, KEINER von Ihnen würde es je wagen seine Alterpersönlichkeiten so zur Schau zu stellen, es wäre das Schlimmste für sie, wenn das Aussen (Familie, Freunde Bekannte etc) mitbekommen würden, was mit Ihnen los ist. Und das gilt nicht nur für die Menschen, die noch nicht in Therapie sind. Ich selbst kann nicht sagen, ob ich mir die Serie ganz anschauen werde, da bin ich wahrscheinlich zu sehr mit dem Thema vertraut. Wenn die Serie aber andere Menschen so wie Sie auch dazu bringt, sich mit dem Thema noch ernsthaft auseinander zu setzen, dann wäre das ein großer Schritt. Leider gibt es immer noch genug Psychologen, die die Existenz dieser schlimmsten aller Traumafolgestörungen,ausgebildet um der tagtäglichen Todesangst im frühesten Kindesalter zu entgehen und um einfach zu überleben, als nicht existent ansehen, obwohl sie im ICD-10 der WHO anerkannt und verzeichnet ist.
    Schöne Grüße

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